Die Datenbank "Germanica aus den böhmischen Ländern" (früher auch "Sudetica")
Die Wissenschaftliche Bibliothek in Liberec stellt ihre interessante Datenbank der Öffentlichkeit vor.
Darin soll ein Komplex von Publikationen aufgenommen werden, der folgendermaßen definiert ist:
- Publikationen, die das Thema Deutsche in Böhmen, Mähren und Schlesien behandeln.
- Publikationen, die einen deutschen Verfasser haben, der in diesem Gebiet geboren ist oder dort gelebt hat.
- Publikationen von 1. oder 2., die in böhmischen Ländern bis zum Jahre 1946 erschienen sind.
- Ferner werden Publikationen erfasst, die bis zum Jahre 1945 von deutschen Verlegern in böhmischen Ländern veröffentlicht wurden.
- Die unter 3. genannte zeitliche Begrenzung bezieht sich nur auf den abgeschlossenen historischen Bestand, der aus der nach dem Jahre 1956 als regionale Literatur katalogisierten Literatur besteht.
Hierbei geht es um Dubletten und einen Teil der periodischen Druckschriften, die bei dem Brand im Jahre 1954, dem der größte Teil der Bibliothek zum Opfer fiel, nicht mitvernichtet wurden. Ferner um Schenkungen größerer Privatbibliotheken sowie des Schlesischen Instituts in Opava, der Museumsbibliothek in Teplice und der Staatlichen Wissenschaftlichen Bibliothek in Brno.
Dieser historische Bestand enthält etwa 13 000 Titel und ist in einem Zettelkatalog verzeichnet. Ein Teil (etwa 300 Zeitschriftentitel) ist bisher noch nicht katalogisiert worden.
Die Computer-Datenbank wird seit dem Jahr 1993 erstellt. Gleichzeitig werden darin gegenwärtig erschienene Publikationen erfasst, die sich auf das Leben der Deutschen in den Böhmischen Ländern beziehen. Die Datenbank enthält derzeit etwa 13 000 Aufnahmen.
Sie ist im Online-Katalog auf der Webseite http://ipac.kvkli.cz zugänglich.
Mögliche Suchkriterien sind: Verfasser, Wörter aus dem Titel oder Untertitel, Signatur, Schüsselwörter (deutsch oder tschechisch), Verlag, Druckerei, Herausgeber, Datum und Ort der Erscheinung bzw. des Druckes.
"Sudetica"
Da für die erwähnte Literatur oft die ungenaue Bezeichnung "Sudetica" verwendet wird, sollen im Folgenden die Begriffe "Sudeten", "sudetisch" und "sudetendeutsch" erläutert werden.
"Sudeten" ist die alte Bezeichnung einer von der Elbekrümmung bis zu den Oderquellen reichenden Gebirgskette, deren höchste Gipfel die Schneekoppe im Riesengebirge und der Altvater im Altvatergebirge sind. Sie bildet die Grenze zwischen der Lausitz und Schlesien auf der einen und den böhmischen Ländern auf der anderen Seite."
Dieser ursprünglich rein geografische Begriff wurde seit der Wende vom 19. zum 20. Jh. häufiger zur Bezeichnung der böhmischen Länder als "Sudetenländer", im Gegensatz zu den "Alpenländern" oder "Karpatenländern" verwendet. Als "sudetendeutsch" könnte man dann die Deutschen der Sudetenländer bezeichnen, die in den Randgebieten Böhmens und Mähren-Schlesiens lebten. Der Begriff "Sudetendeutsche" und "sudetendeutsch" bürgerte sich allerdings erst einige Zeit nach der Gründung der Tschechoslowakischen Republik ein als Sammelbezeichnung für die in den böhmischen Ländern lebenden Deutschen. Die Deutschen der Slowakei wurden entsprechend "Karpatendeutsche" genannt. Im Jahre 1933 gründete Konrad Henlein die "Sudetendeutsche Heimatfront" die dann in "Sudetendeutsche Partei" umbenannt wurde. Die zunächst autonomistischen Ziele verwandelten sich ab 1937 in separatistische Ziele. Der Begriff "Sudeten" näherte sich damit einem politischen Kampfbegriff an.
"Es wäre aber unsinnig, deshalb ein Gleichheitszeichen zwischen "sudetendeutsch" und "nationalistisch" zu setzen. Viele Deutsche in der Tschechoslowakei unterlagen zwar in den dreißiger Jahren nationalistischer oder nazistischer Propaganda, andere aber haben sich zum Schluss gegen diese Einflüsse gewehrt und sind der Tschechoslowakei treu geblieben."
(Im obenerwähnten Text wurden Auszüge aus dem Artikel von Dr. Jiøí Veselý von der Karlsuniversität Prag (UK Praha) mit dem Titel "Zur Geschichte und Literatur der Deutschen in Böhmen" (K dìjinám a literatuøe Nìmcù v Èechách) verwendet, der in der Zeitschrift "Böhmisch-baerische Aussichten" (Èeskobavorské výhledy) erschienen ist).
Projekt zur Verarbeitung, Aufbewahrung und Erschließung des Bestandes:
- Katalogaufnahme weiterer Dokumente (Zeitschriften und Zeitungen, einzelne Artikel aus Sammelschriften) fertig stellen und perfektionieren
- Präsentierung des Bestandes im Online-Katalog der Bibliothek als einer selbständig zugänglichen Datei, Entwurf einer benutzerfreundlichen Suchmaske, Veröffentlichung aktueller Informationen auf der Webseite der Bibliothek
- Aufbau eines Netzwerkes von ähnlich orientierten Institutionen, Entwicklung der Zusammenarbeit, Teilnahme am Projekt eines gemeinsamen Portals für Germanika aus den Böhmischen Ländern mit Zugang zu den jeweiligen Katalogen der beteiligten Institutionen
Anschließende Projekte:
- Projektpräsentierung in der Öffentlichkeit
- Digitalisierung
- Datenbank deutschschreibender Autoren aus den Böhmischen Ländern
- Publikationsarbeit
Partner, verwandte Organisationen:
- Technische Universität in Liberec, Pädagogische Fakultät, Lehrstuhl für deutsche Sprache http://www.fp.vslib.cz/knj/novyweb/cz/index.php?akce=aktuality
- Christian-Weise-Bibliothek in Zittau http://www.cwbz.de/
- SLUB Dresden http://www.tu-dresden.de/slub/
- Euroregion Neisse-Nisa-Nysa http://www.neisse-nisa-nysa.org/
- Adalbert Stifter Verein München http://www.asv-muen.de/de/main/start.htm
- Collegium Carolinum http://www.collegium-carolinum.de/
- Martin Opitz Bibliothek in Herne http://www.martin-opitz-bibliothek.de/
- Goethe-Institut http://www.goethe.de/ins/cz/pra/csindex.htm
- Österreichisches Kulturforum http://www.austria.cz/kultur/index.php?id=5&subid=?=cz
- Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren http://www.prager-literaturhaus.com/index.htm
- Collegium bohemicum Ústí nad Labem http://www.collegiumbohemicum.cz/
- Brücke/Most Stiftung http://www.bruecke-most-stiftung.de/cz/indexflash.php?id=2&url=indexflash.php&flashcheck=1
- Deutsch-tschechisches Forum der Frauen
Mitarbeiter:
Mgr. Blanka Konvalinková, Leiterin der Bibliothek; konvalinkova@kvkli.cz; 00420/482 412 120
